„Agieren und kompakt stehen“

Das folgende Interview führte Ralf Brückner, Freies Wort., mit Heiko Nowak. Wir danken ihm recht herzlich, dass er uns den Text zur Verfügung stellt.


Martinroda – Einschließlich der obligatorischen ersten Ansprache vorher im Sportlerheim dauerte die erste Übungseinheit des neuen Trainers so lange, dass sich Heiko Nowak hinterher sich fast dafür entschuldigte. Aber er hatte ja auch jede Menge Leute zu beschäftigen: Bis auf den erkrankten Patrick Fiur war der gesamte Kader des FSV Martinroda auf dem Kunstrasenplatz erschienen, auf dem künftig ausschließlich trainiert und auch gespielt werden soll. Bedauerlich nur, dass die Reha-Gruppe, also jene Spieler, die aktuell verletzt sind und daher mit Physiotherapeut Mike Eckardt Spezialübungen absolvierten, recht groß war. Die drei Ausfälle vom Ludwigsfelde-Spiel – Felix Nicolai, Max Graubner und André Rieß – haben in dieser Partie zwar durchweg keine Langzeitverletzungen erlitten (also anders als seinerzeit Serdar Suliman), aber für die beiden nächsten, wichtigen Heimspiele gegen Wacker Nordhausen am (morgigen) Samstag ab 14 Uhr sowie gegen Carl Zeiss Jena II am 17. Oktober dürften sie noch ausfallen. Nicht gerade optimale Voraussetzungen für einen neuen Trainer! Nichtsdestotrotz geht Heiko Nowak, der mit „Fußballlehrer“ den höchsten Trainerschein hat, den man in Deutschland erwerben kann, mit einiger Zuversicht seine neue Aufgabe an – und relativ festen Vorstellungen, welche Stellschrauben er zunächst zu drehen gedenkt. Darüber sprachen wir mit ihm nach dem späten Trainingsende.

Herr Nowak, Ihr Entschluss, zum FSV Martinroda als Trainer zu gehen – wie viel Prozent davon waren von der Aussicht auf eine neue Aufgabe bestimmt, wie viel Prozent von der Nähe dieser neuen Aufgabe zu Ihrem jetzigen Wohnort im Kreis Gotha und wie viel Prozent davon, dass Ihr Sohn Tom in dieser Mannschaft spielt?

Heiko Nowak: Das kann man so nicht in Prozenten ausdrücken. Ich bin jetzt nach der durch den Klub vollzogenen Trennung vom FC Carl Zeiss Jena – die ich so nicht akzeptiert habe und die auch gerichtlich noch nicht abgeschlossen ist – ein halbes Jahr lang außen vor gewesen und hatte große Lust, mich wieder auf dem Platz zu betätigen. Natürlich ehrenamtlich – ich habe mich dazu auch anwaltlich beraten lassen –, aber eben doch wieder als Trainer im Männerbereich, was ich immer gern getan habe, obwohl ich zuletzt längere Zeit im Nachwuchs gearbeitet habe. Ich fühle mich in Thüringen wohl, und die Corona-Krise schränkt ja die Möglichkeit, als Trainer zu arbeiten, momentan auch etwas ein. Den FSV Martinroda empfinde ich als einen sympathischen Verein, der sich jetzt über lange Jahre hinweg nach oben gearbeitet hat. Dass auch Tom hier spielt hat aber nur insofern eine Rolle gespielt, als dass der Verein durch ihn an mich herangetreten ist.

Hatten Sie die Mannschaft zuvor schon gesehen?

Nur die Spiele gegen Ludwigsfelde und Eilenburg. Und das Pokalfinale, aber nicht live vor Ort.

Was nährt Ihre Hoffnung, dass man mit dieser Mannschaft mehr erreichen kann als bisher erreicht wurde?

Es ist eine junge Mannschaft und die Spieler sind noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen. Es ist meine Aufgabe, ihnen zu vermitteln, dass und wie sie besser werden können. Abgezockter zum Beispiel, das ist für diese Klasse sehr wichtig. Andererseits ist es auch für mich eine neue Herausforderung: Zum ersten Mal übernehme ich eine Mannschaft bei schon laufender Saison.

Was soll sich konkret auf dem Platz ändern?

Die Mannschaft hat die Idee verinnerlicht: Wir wollen agieren! Das ist richtig so – aber agieren kann ich auch, wenn ich kompakt in der Defensive stehe! Die Tabelle lügt ja nicht: Der FSV Martinroda hat bisher die höchste Zahl an Gegentoren. Wir werden also an einigen Basics arbeiten: Zweikämpfe mit vollster Konsequenz führen, Umschaltspiel bei Ballverlust konsequent durchziehen und auch die Abstände zwischen den Blöcken immer stimmig halten.

Soll sich auch personell noch etwas verändern?

Im Allgemeinen justiert man im Winter nach. Aber im Fußball kann manches schnell gehen, und der 5. Oktober ist erst nächste Woche.

Am Samstag steht gleich zum Einstand für Sie ein Heimspiel gegen Wacker Nordhausen an, das eigentlich schon kein Sechs-Punkte-Spiel mehr ist, sondern ein Neun-Punkte-Spiel. Für einen Gastgeber ist es bei so einem Kellerduell immer schwer, die richtige Ausgewogenheit zwischen Agieren und Vorsicht zu finden.

Wir werden schon einen ordentlichen Plan entwerfen. Nordhausen ist in dieser Saison ja auch noch eine sehr junge Mannschaft. Wir werden unsere Tugenden auf den Platz bringen und bis zum Spiel auch noch einiges taktisch einüben. Es wird auf jeden Fall kompakter sein, mit dem entsprechendem System.

So wie in Eilenburg, wo bereits ein neues Spielsystem praktiziert wurde. Hatten Sie das angeregt?

Ich war zwar auch in Eilenburg, hatte damit aber nichts zu tun. Aber es könnte sich einiges davon am Samstag auf dem Platz wiederfinden. Interview: Ralf Brückner



Bildquelle: https://www.dfb.de/datencenter/personen/heiko-nowak/trainer

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